Prozess Rückkehr

  • Wie lange dauert die Rückkehr? So lange, wie der Flug oder die Schiffsreise dauert? So lange bis in Deutschland die ersten Kontakte geschlossen sind und das erste Wiedersehen gefeiert wird? So lange bis die verschiedenen administrativen Schritte geregelt sind sowie Unterkunft und Anstellung gefunden werden?

Rückkehr ist ein innerer Prozess, der sich über eine längere Zeitdauer erstreckt und verschiedene Gemeinsamkeiten mit dem Integrationsprozess im Partnerland aufweist. In drei Phasen untergliedert, kann er in unterschiedlicher Ausprägung und Intensität ablaufen:

1: Phase Abschiedsphase

„Fühlte mich eingeengt, alles war formeller, weniger spontan.“

„Das Gefühl der Kälte, sowohl klimatisch als auch im Umgang mit den Mitmenschen, und der Isolation, hervorgerufen durch modernen Individualismus, ist vor allem in den ersten Monaten unerträglich.“ AGEH-Rückkehrerin, Dominikanische Republik

 

Die erste Phase ist möglicherweise vergangenheitsorientiert, manchmal traurig oder nostalgisch. Gewisse Aspekte des Lebens im Ausland sind noch nicht „losgelassen“. Bestimmte Redewendungen werden Sie nicht mehr hören, bestimmte Gerüche nicht mehr riechen, das genüssliche Essen auf der Straße ist vorbei. Sie werden kaum mehr die Gelegenheit haben, auf dem Markt zu handeln...

2. Phase Übergang, Neutrale Zone

„… noch gar nicht wirklich mit den Füßen im Hier gelandet“ AGEH-Rückkehrerin, Uganda

 

Charakterisiert wird die Übergangsphase durch Antriebsschwäche, Müdigkeit, das Bedürfnis nach Rückzug und gewisser Orientierungslosigkeit. Mit „grundsätzlicher Ruhelosigkeit“ umschrieben ist am schwierigsten zu akzeptieren. Weitere Kennzeichen:

  • Fehlender Antrieb zur Wiederaufnahme von Beziehungen und Kontakten
  • Mangelnde Begeisterungsfähigkeit
  • Wenig Lust, in Deutschland zu sein
  • Mühe, die positiven Aspekte des Landes zu sehen
  • Unklare Vorstellungen in Bezug auf die Zukunft

„Meine Pläne wirkten unklar, unsicher oder gar „bedrohlich“, insbesondere in der Diskussion mit denjenigen, deren Lebenskonzepte klare, abgesicherte Vorgaben über den persönlichen und beruflichen Standort verlangten.“ AGEH-Rückkehrerin, Angola

Es ist die Phase, in der neue Projekte entstehen und die Gedanken sich allmählich auf die Zukunft ausrichten.

3. Phase Neubeginn

In dieser Phase gewinnen Rückkehrer/innen neuen Antrieb. Nun können auch positive Aspekte des Landes wieder gesehen und neue Projekte in Angriff genommen werden. Kontakte werden wieder aktiv geknüpft.

„Es ist eine Chance, etwas Neues aus all dem zu entwickeln. Ein neues Startfeld: Ziehe über Los. Auf jeden Fall gibt es kein Zurück!“ AGEH-Rückkehrerin, Uganda