Kulturschock?

  • Gibt es einen reversiblen Kulturschock?
  • Wie gehe ich positiv damit um?

 „Culture-shock is the expected confrontation with the unfamiliar. Reentry-shock is the unexpected confrontation with the familiar” (Paige, 1984; zit. In Winter, Gerhard(1996))

Die Schwierigkeiten liegen in der Anhäufung vieler kleiner, für sich genommen durchaus zu bewältigender Belastungen und entsteht nicht durch ein zentrales, schockierendes Erlebnis. Es ist ein Zustand gekennzeichnet durch Verlust und Orientierungslosigkeit. Er wird durch den Alltagsstress erzeugt, der aufgrund von Unsicherheit und fehlenden Bezugspunkten entsteht. Mitverantwortlich ist auch der Konflikt, den eine Person aufgrund verschiedener Wertvorstellungen bei Ihrer Integration in eine neue Kultur durchmacht.

 

„Ich erlebte am Anfang einige kleinere Kulturschocks – ich fühlte mich teilwiese als Fremder im eigenen Land“

"... Meine Spontaneität und Kontaktsuche zu Mitmenschen ernüchterte mich teilweise immer wieder, und ich stoße auf Missverständnisse. Das heißt, man lernt einen Umgang mit Menschen, der im kühlen Europa nicht immer angebracht ist."

„Es ist schmerzlich und schwer zu ertragen, unverstanden zu bleiben, obschon man keine Sprachprobleme hat. Das Gefühl der Fremdheit weckt Frustrationen und auch Aggressionen den „anderen Deutschen“ gegenüber, denen man sich aber stellen muss, um seinem Leben eine solide Basis im neuen, alten Land zu geben.“ AGEH-Rückkehrerin, Dominikanische Republik

 

Viele Rückkehrer/innen leiden darunter, dass sie ihre Erlebnisse, Erfahrungen und Horizonterweiterungen nur begrenzt teilen können. Manche Freundschaften sind über die Entfernung oberflächlicher geworden oder gingen zu Ende, weil der Alltag nicht mehr geteilt wird; sie liegen nicht mehr ganz auf einer Wellenlänge.

 

„Nach der Anfangseuphorie der Rückkehr, die sich in wenigen Tagen bereits zu legen begann, war ich zunächst sprach- bzw. schreiblos. Zwar wussten alle im Dorf, wo wir vorher gelebt hatten, aber niemand hat richtig nachgefragt. Stattdessen wurde ich gleich mit alltäglichen, hierzulande wichtigeren Themen konfrontiert...“

„Viel zu selten fragt jemand nach, will Genaueres wissen, ist bereit zuzuhören. Zu oft erlischt das Interesse nach der ersten Frage…ist das Andere zu weit weg, zu fremd, zu hoffnungslos??“ AGEH-Rückkehrerin, Madagaskar

Tipps:

  • Fragen Sie sich, wie Sie sich im Ausland verändert haben, welche Fähigkeiten Sie hinzugelernt und welche kulturellen Verhaltensmuster Sie angenommen haben. Vergleichen Sie sich als heutige Person mit der, die vor einigen Jahren die Heimat verlassen hat.
  • Begegnen Sie Symptomen des Kulturschocks mit Aufgeschlossenheit und Neugier gegenüber Ihrer alten Umwelt, in die Sie nicht mehr ganz zu passen scheinen.
  • Knüpfen Sie Kontakte zu Menschen mit interkulturellen Interessen, die im Ausland gelebt haben
  • Nutzen Sie das Angebot an Rückkehrseminaren der Entsendeorganisationen; sie bieten Begegnungsmöglichkeiten mit Personen, die ähnliche Situationen erlebt haben und stellen Instrumente und Prozesse vor, mit denen die Etappen der Rückkehr erfasst und einfacher bewältigt werden können
  • Erkunden Sie Ihre Umgebung wie ein Tourist im eigenen Land und machen Sie Reisen innerhalb des Heimatlandes
  • Nehmen Sie sich Zeit fürs Ankommen. Geben Sie sich mindestens ein Jahr mit allen Jahreszeiten, sämtlichen Festen und Feiertagen

„Was es bedeutet, in einer fremdem Kultur zu leben und zu arbeiten, kann nur der nachvollziehen, der selbst einmal in einer ähnlichen Situation war. Deshalb ist der Kontakt mit anderen Rückkehrern lebensnotwendig für mich.“DED-Rückkehrerin, Laos

„Meine Zeit in der Entwicklungszusammenarbeit realisiere ich heute zunehmend als Quelle für Kraft, Zuversicht, Selbstvertrauen und mit dem Bewusstsein, eine Chance für mich und andere genutzt zu haben.“ DED-Rückkehrer, Botswana

 

Nach einem positiv verarbeiteten Kontextwechsel haben die Rückkehrer/innen Kompetenzen entwickelt, aufgrund derer sie sich in den verschiedenen Kulturen zu Hause fühlen. Sie haben es geschafft, sich in beiden Kulturen zu integrieren. Sie beklagen sich nicht mehr „Ich bin nirgendwo zu Hause“, sondern erklären „Ich bin hier und dort zu Hause“. Sie haben Schlüsselkompetenzen der interkulturellen Kommunikation entwickelt.

 

„Irgendwann wurde mir deutlich, dass ich mich zu entscheiden hätte, nicht für Angola und auch nicht für Deutschland, sondern für einen Weg, der von zwei unterschiedlichen Welten geprägt sein würde.“