Rückkehr

  • Was ist das Besondere an der Rückkehr?

Jede Fachkraft, die ihren Dienst antritt, ist damit auch Rückkehrer/in, denn alle Verträge sind von vornherein zeitlich befristet.

Die Rückkehr ist eine Balance zwischen Hoffnung und Illusion. Zunächst herrscht die Meinung vor, dass die Wiedereingliederung in das eigene Land, in Berufstätigkeit und in gewohnte soziale Verhältnisse nicht problematisch sein könne, da ja alles bestens bekannt sei.

Die zurückkehrende Person ist jedoch nicht mehr dieselbe. Ihre Auslandserfahrung hat sie geprägt und verändert. Im gleichen Maße hat sich das Land entwickelt. Die Familie sowie Freundinnen und Freunde haben ihr eigenes Leben weiter geführt.

Die Rückkehr ist eigentlich eine „Reintegration“, also ein Prozess der persönlichen, sozialen, kulturellen und beruflichen Wiedereingliederung. Die zurückgekehrte Fachkraft muss wieder seinen/ihren Platz finden und sich neu orientieren. Die Erfahrung zeigt, dass die Rückkehr häufig ein Neuanfang ist.

  • Gibt es den klassischen Rückkehrer, die klassische Rückkehrerin?

Die die Rückkehr wird unterschiedlich reflektiert und erlebt. Charakter und Persönlichkeit der rückkehrenden Fachkräfte beeinflussen die Einstellung zur Rückkehr und die Verarbeitung der möglicherweise auftretenden Schwierigkeiten. Dabei spielt es eine Rolle, ob und wie sich die Person vorbereitet, welche Gefühle mit der Rückkehr verbunden werden.

In einer Studienarbeit zur psychosozialen Situation von Rückkehrer/innen aus dem Entwicklungsdienst wurden folgende Bewältigungsstrategien dargestellt: (Steffens, 1998)

„Erst mal ankommen“

  • braucht Ruhe und Zeit, um über das Erlebte nachzudenken und zu reden
  • langsam in Deutschland eingewöhnen, möchte nicht sofort ins Arbeitsleben einsteigen, Orientierungsphase

„Auf die Hinterbeine gestellt“

  • Informationssuche und direktes Handeln
  • Lebt sich sofort wieder ein, wird aktiv, informiert und organisiert sich
  • Bewerbung um Arbeit und Wohnungssuche schon aus dem Gastland

„Sofort wieder Rausgehen“

  • Unterlässt Handlungen in Bezug auf Reintegration
  • Aktivitäten in Richtung erneute Ausreise, sieht seinen Platz nicht in Deutschland
  • Typ Langzeit-Entwicklungshelfer

„Zurück in den alten Trott“

  • Ist motiviert, die neu erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten in seine Arbeit einzubringen
  • häufig Desinteresse seitens des Arbeitsgebers, führt zu Frustration, fällt trotz sozialer Einbindung in ein Loch
  • hohes Mitteilungsbedürfnis
  • Fachkraft mit fester Anstellung, die für den Entwicklungsdienst frei gestellt wurden, wie z.B. beurlaubte Beamte und Angestellte im Öffentlichen Dienst

Vielleicht finden Sie sich in dem einen oder anderen Punkt wieder?

  • Was haben Rückkehrer/innen gemeinsam?

In einer Presserklärung charakterisierte Richard von Weizäcker Rückkehrer/innen als "eine Quelle der Information und Hilfe für eigenes Umdenken und eigenes Umstellen, für die wir keinen anderen gleichwertigen Ersatz haben."

Sie sind:

  • ein Grundbaustein, der zum praktischen Verstehen für globale Zusammenhänge, zum interkulturellem Austausch und zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit beiträgt
  • politisch aktiv, interessiert und kritisch, sie zeigen ein hohes soziales Engagement
  • kreativ, unkonventionell und motiviert, etwas zu verändern
  • für Neues und Veränderungen offen
  • flexibel und haben einen hohen Grad an Eigeninitiative.